Fragen & Antworten

Auch wenn die heute erhältlichen Elektroautos teurer sind und eine eingeschränkte Reichweite aufweisen, können sie durchaus eine umweltschonende und günstige Alternative zu herkömmlichen Autos darstellen. Dies ist jedoch abhängig von der Auslastung, den klimatischen Bedingungen, den gefahrenen Distanzen und der Stromherkunft.

1. Teure Anschaffung, günstiger Betrieb
2. Genügend Reichweite
3. Der Akku ist entscheidend
4. Das Elektroauto tankt zu Hause
5. Elektroautos sind nicht in jedem Fall umweltschonender

1. Teure Anschaffung, günstiger Betrieb

Die Anschaffungskosten von Elektroautos sind hoch. Dies liegt vor allem an den zurzeit noch sehr teuren Batterien. Einige Hersteller verkaufen deshalb ihre Autos ohne Batterie, diese wird separat vermietet. Allerdings sind die Betriebskosten eines Elektroautos tiefer als bei Autos mit Verbrennungsmotor.

Anschaffungs- und Betriebskosten von Elektro- und Dieselauto im Vergleich (Beispiel anhand eines auf dem Markt erhältlichen Kleinwagens)

TypPreisEnergiekostenVerbrauch pro 100 kmKosten für 100 km
DieselmotorCHF 20'000.--CHF 1.90 pro Liter Diesel3.3 LiterCHF 6.30
ElektromotorCHF 30'000.--CHF 0.18 pro kWh15.1 kWhCHF 2.70

 

Der Verbrauch eines Elektroautos erhöht sich jedoch deutlich, wenn Zusatzaggregate wie Heizung oder Klimaanlage betrieben werden. Zudem benötigen sie keine Abgaswartung und haben weniger Verschleissteile, was die Betriebskosten weiter reduziert. In einigen Kantonen profitieren Besitzer von Elektroautos von vorteilhaften Motorfahrzeugsteuern: Liste der Kantone. Dazu kommt, dass Besitzer von Elektrofahrzeugen bei einigen Versicherungen, z.B. bei der ECO-Versicherung des VCS, von reduzierten Prämien auf Motorfahrzeugversicherungen profitieren.

2. Genügend Reichweite

Verglichen mit Benzin oder Diesel haben Akkus, wie sie in Elektroautos verwendet werden, eine geringe Energiedichte. Reine Elektroautos haben daher eine Reichweite von 150 bis 500 Kilometern (ohne zusätzliche Stromverbraucher wie z. B. die Klimaanlage). Für die meisten Alltagswege reicht dies bereits aus, da 60% der im Auto zurückgelegten Wege kürzer sind als 10 Kilometer. Im Durchschnitt wird mit dem Auto pro Ausgang (Hin- und Rückweg) eine Distanz von 32 Kilometern zurückgelegt¹. Die längsten Distanzen werden im Freizeitverkehr am Wochenende und in den Ferien gefahren. Falls man im Alltag keine überdurchschnittlich weiten Distanzen fährt, kann man gut von einem Auto mit Verbrennungsmotor auf ein Elektroauto umsteigen. Für grössere Wochenendausflüge und die Ferien nimmt man dann den Zug oder ein Mobility- bzw. Mietauto.

3. Der Akku ist entscheidend

Preis, Energiedichte und Sicherheit der Akkus beeinflussen die Konkurrenzfähigkeit von Elektroautos massgeblich. Heutige Elektroautos haben meist Akkus auf Lithiumbasis. Die wichtigsten Förderländer für Lithium sind Bolivien, Chile, Argentinien und China. Problematisch ist, dass beim Abbau von Lithium giftige Stoffe freigesetzt werden. Zudem ist es noch nicht möglich, Lithium aus gebrauchten Akkus im grossen Stil zu rezyklieren. Dies führt zu einer erhöhten Umweltbelastung in der Produktion von Elektroautos. Neuere Batterien weisen jedoch eine immer grössere Energiedichte auf, wodurch sich der Lithiumbedarf reduziert, bzw. die Reichweite erhöht. Zudem gehen Experten davon aus, dass sich Lithium in Zukunft problemlos wiederverwerten lässt.

Im Betrieb sind die Akkus von Elektrofahrzeugen einfach zu handhaben. Es tritt kein Memory-Effekt auf, daher ist ein vollständiges Laden und Entladen nicht notwendig. Die Lebensdauer wird von den meisten Herstellern auf rund 150‘000 Kilometer ausgerichtet. Allerdings gibt es auch Berichte, wonach die Leistung nach einigen Jahren deutlich nachlässt. Akkus in Elektroautos, aber auch in anderen Elektrogeräten, können bei einem Unfall oder unsachgemässer Behandlung im schlimmsten Fall in Brand geraten.

4. Das Elektroauto tankt zu Hause

Die Ladezeiten von Elektroautos sind länger als die Tankdauer für ein herkömmliches Auto. Daher gibt es auch Vorschläge, die Akkus an Tankstellen auszutauschen statt zu laden. Dennoch wird das Elektroauto vermutlich eher zu veränderten „Tankgewohnheiten“ führen. Da insbesondere privat genutzte Autos den grössten Teil des Tages parken, werden sie in Zukunft primär zu Hause oder auf dem Parkplatz am Zielort geladen. Im Idealfall entfallen dadurch jene zusätzlichen Kilometer, die man sonst zur Tankstelle gefahren wäre. Beim Laden zu Hause und am Zielort stört die Ladedauer von täglich 3 bis 4 Stunden kaum (bei ca. 40 km Tagesdistanz)². Die Elektroinstallationen sollten zuvor jedoch von einem Elektroinstallateur oder vom Energieversorgungsunternehmen geprüft werden. Bei längeren Fahrten oder falls aus Zeitgründen ein normales Laden nicht ausreicht, kann auf ein wachsendes Netz an Schnellladestationen zurückgegriffen werden. 

5. Elektroautos sind nicht in jedem Fall umweltschonender

Ein Elektroauto ist nicht automatisch umweltschonender als ein Auto mit Verbrennungsmotor, obwohl es im Betrieb keine Emissionen verursacht. Allerdings entstehen bei der Produktion des benötigten Stroms je nach Technologie unterschiedlich hohe Emissionen von Treibhausgasen:

Ein Elektroauto mit einem Verbrauch von 15,1 kWh pro 100 Kilometer verursacht pro je nach Strommix folgende Emissionen pro Kilometer*:

StromherkunftCO2 äquivalent in GrammHoch radioaktive Abfälle in mm³
Deutsche Kohlekraftwerke186.90.03
Photovoltaik13.90.04
CH-Strommix ab Steckdose22.50.91
Moderne Gaskraftwerke73.40.00
EU-Strommix ab Steckdose89.70.67

* Eingerechnet sind auch die vorgelagerten Prozesse. Quelle: ESU-services GmbH

Zum Vergleich: Derselbe Kleinwagen mit Dieselantrieb stösst pro Kilometer 86 g CO2 aus. Darin nicht eingerechnet sind die Treibhausgas-Emissionen, die bei der Produktion und dem Transport des Diesels zur Tankstelle entstehen. Betrachtet man nur die Treibhausgase, so ist das Elektroauto, das mit dem Schweizer Strommix betrieben wird, weniger klimaschädigend als die Dieselvariante. Allerdings verursacht der hohe Anteil an Atomstrom im Schweizer Strommix auch grosse Mengen an hochradioaktiven Abfällen. Sollten die Schweizer Atomkraftwerke durch Gaskraftwerke ersetzt werden, so würde zwar die Menge der radioaktiven Abfälle zurückgehen, der CO2-Ausstoss jedoch massiv zunehmen. Deshalb lassen sich Elektroautos nur mit erneuerbaren Energieträgern einigermassen umweltschonend betreiben.

Die Herstellung eines Elektroautos belastet die Umwelt etwas stärker als die Herstellung von Autos mit Verbrennungsmotoren. Elektroautos sind daher nur bei guter Auslastung und entsprechendem Strommix umweltfreundlicher als jene mit konventionellen Antrieben. Die tieferen Betriebskosten eines Elektroautos sowie das Gefühl, umweltfreundlich unterwegs zu sein, können dazu führen, dass mit dem Elektroauto mehr Kilometer gefahren werden als mit einem herkömmlichen Auto. Dieser Rebound-Effekt könnte allfällige ökologische Vorteile des Elektroautos zunichte machen. Dennoch, viele Nachteile des Autos gegenüber dem öffentlichen Verkehr und dem Langsamverkehr (zu Fuss, Velo) bestehen auch beim Elektroauto (Flächenbedarf, Gesundheitskosten, Energieverbrauch).

¹ Bundesamt für Statistik (2012) Mobilität in der Schweiz. Ergebnisse des Mikrozensus Mobilität und Verkehr 2010

² e’mobile, VSE, electrosuisse (2012): Anschluss finden. Elektromobilität und Infrastruktur

³ http://www.ekz.ch/content/ekz/de/umwelt/elektromobilitaet/e-tankstellen.html#tab3(abgerufen am 3. Dezember 2012)